Generationen im Gespräch – Ich mein Opa und der Krieg

Heute möchte ich mich an der Aktion von Kim beteiligen und mein Erlebnis mit dem Gespräch der Generationen zum Besten geben. Vielleicht zuvor aber  noch ein paar Worte um was es denn bei der Aktion geht. Am Besten aber ich lasse die Erklärung bei Kim:

Diejenigen, die Teilnehmen möchten, sollten einen Beitrag über das Thema “Generationen im Gespräch” schreiben. Gemeint ist damit, dass sie entweder über ihre Erfahrungen berichten, die sie im Umgang und im Gespräch mit der jeweils anderen Generation gemacht haben, welche Dinge sie von ihr lernen konnten in diesem Gespräch und so weiter. Der Fantasie ist hier freien Lauf gelassen, schließlich möchte ich mit dieser Aktion im Grunde nur eines Anregen: Dass man sich mal Gedanken darüber macht, wann man das letzte mal mit einem Vertreter der anderen Generation ein wirklich tiefsinniges und für vielleicht beide “gewinnbringendes” Gespräch führte.

Ob jetzt der einen oder andere findet dass das nachfolgende Gespräch gewinnbringend oder nicht ist, bleibt jedem selber überlassen. Für mich war es immer wieder eine Erfahrung über diese Geschichten zu hören und meine persönlichen Eindrücke daraus zu nehmen.

Es war einmal vor sagen wir 20 Jahren als der kleine Andy noch sehr oft bei seinem Opa (Großvater) war. Bevor ich weiter rede vielleicht noch kurz auch ein Dank an Rio der mich mit seinem Artikel “MeinVorbild,mein Held, mein Mentor…” zusätzlich inspirierte. Jetzt aber zurück zu meinem Großvater, der mich immer mit seinen Geschichten des Krieges zum staunen brachte. Mein Opa war im 2. Weltkrieg unter Hitler ein Flieger und flog einen Kampfjet. Wo seine Einsatzgebiete alle waren, kann ich leider nicht mehr sagen, aber eine Geschichte von ihm blieb mir im Gedächtnis und das war wohl auch sein größtes Schicksal und Glück zugleich.

Ende 1944 war er in Russland bei einem Einsatz und wurde dort abgeschossen. Seinen Maschine fasst 4 Mann und er hatte da Glück als einziger den Abschluss zu überleben. Es grenzte fast an ein Wunder so nach seinen Erzählungen zu folge. Es gab nicht viele die einen Flugzeugabsturz überhaupt überleben konnten.

Das war aber für ihn auch der Anfang eines Leidensweges den er bis zu seinem Tod schreiten musste und dieser war erst ca. 40 Jahre nach dem Krieg. Seine Verletzungen nach dem Absturz waren erheblich und es gab kein Körperteil das nicht gebrochen, gequetscht oder zum Teil ganz zerstört war. Er wurde in Russland dann in einem Krankenhaus behandelt und das fast 2 Jahre, bis er wieder einigermaßen hergestellt war. Sein Leidensweg begann mit einem Gipsbett, welches er fast 1 Jahr aufsuchen musste. Man kann sich dies nicht vorstellen, weg von Zuhause in einem fremden Land, ohne ein Wort Russisch zu sprechen, ohne jeglichen Kontakt in die Heimat und dann noch mit diesen Verletzungen, die sicherlich sehr viele Schmerzen mit sich gebracht haben. Ihm wurden dann in viele Körperteile Stahlplatten und Schrauben eingesetzt, die er bis zu seinem Tod zum Teil drin hatte. Aber auch innere Organe waren beschädigt und mussten zum Teil entfernt werden. So richtig gesund wurde er nie wieder, aber er schaffte es mich immer wieder zum Lachen zu bringen. Mit mir zu Spielen als kleines Kind und sein Leben zu genießen. Er war ein großartiger Mann, den ich nie vergessen werde.

Nach dem Krankenhausaufenthalt kam er dann in die russische Gefangenschaft. Dort musste er noch einmal 4 Jahre ausharren, bis er endlich zurück in die Heimat durfte und natürlich hieß das auch zurück zur Frau. Man kann sich so ein Schicksal heute nur schwer vorstellen, was damals viele durchgemacht haben. In der Ungewissheit zu Leben. Ob der Partner oder Mann noch lebt. Die Frauen wurden auch nur spärlich mit Informationen versorgt.

Letzt endlich ist er dann am Krebs und den immer andauernden Folgen des Absturzes gestorben.

Vielleicht fragt sich jetzt der einen oder andere was ich denn daraus gelernt habe. Ich habe gelernt manche Dinge im Leben leichter zu nehmen und gewisse Dinge einfach hinzunehmen. Die Geschichten von meinem Großvater haben mir immer wieder die Augen geöffnet, was wirklich Leid bedeutet, aber er hat immer nach Vorne geblickt. Ihn hat man nie Jammer und Meckern gehört. Ich finde er war ein großartiger Mann und ob ich das alles durchgestanden hätte so wie er mag ich zu Bezweifeln.

Ich denke auch ihr hab sicherlich eine kleinen Geschichte für Euch, für Uns und auch natürlich für die Aktion von Kim!

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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 18. August 2009 um 07:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
6 Reaktionen zu “Generationen im Gespräch – Ich mein Opa und der Krieg”
  1. Nun, ich habe ja meine Geschichte schon geschrieben, werde also vorerst nicht erneut daran teilnehmen. Vielleicht im November, da schreibe ich zum Geburtstag meiner Grandma über sie.

    Dein Beitrag kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Dein Opa muss nicht nur ein tapferer und harter Kerl gewesen sein, sondern auch ausserordentlich hart. Nicht nur den Absturz überlebt zu haben, sondern auch die russische Gefangenschaft zu überstehen. Man bedenke z.B. bei der Schlacht um Stalingrad überlebte nur knapp die Hälfte der 6. Armee den Kessel, etwa 100.000 Soldaten gingen in russische Kriegsgefangenschaft, aus der lediglich 6000 Soldaten lebend heimkamen. Mein Opa erzählte immer, dass jeder seines Trupps eine Handgranate im Brotbeutel mit sich trug. Die war für den Fall, dass sie gefangen genommen werden.

    Nun, nun aber warum der Artikel heute zum richtigen Zeitpunkt kommt. Denn ich schrieb ja am Sonntag über meinen Rückfall und Sonntag & Montag war ich zwar wieder im Plan, aber es ist saumäßig schwer. Aber das wird alles so imens klein, wenn ich an die Erlebnisse, an die Prüfungen und Taten, die unsere Großväter durchstehen mussten. Und immerhin haben wir auch das Blut unserer Großväter in uns, wäre ja gelacht, wenn ich da nicht soeine Pillepalleabnahme hinbekomme.

    DANKE !!!

  2. @Rio: Für mich sind diese Geschichten ganz Tief in mir verwurzelt und ich werde sie nie vergessen. was diese Menschen dort geleisten haben übertrifft die ganzen “kleinen” Problem die wir haben und ist somit kein Vergleich zu dem was wir uns vorstellen können. Ich persönlich fand die Geschichten immer sher spannen und aufregend, leider kann man dies wenn man es nicht selbst erlebt hat nicht immer in richtige Worte fassen.

    Und ja Rio, der Rückfall ist für dich ein Klacks…wie du ja schon in deinen Berichten geschrieben hast musst du imme mit solchn Rückfällen rechnen, aber der erste Schritt zur Besserung ist die Einsicht. Ich hoffe du hast neue Kraft fü diese Wohe und es geht wieder weiter aufwärts!! Ah Abwärts ;-)

  3. Hi,

    schön das du diese Geschichte hier veröffentlicht hast. Am Anfang habe ich mich schon gefragt was du jetzt damit ausdrücken willst, aber das hast du ja am Ende dann schön zusammen gefasst.

    Es ist auch schön das du in deinen Großvater ein Vorbild hattest oder vielleicht immer noch hast, auch wenn er schon gestorben ist.

    Lieben Gruß

    Sven

  4. Ja, es ist schön sich an seinen Grossvater zu erinnern. Den einen Opa habe ich leider nicht kennengelernt, er starb kurz vor der Geburt meines jüngsten Onkels an MS. An den anderen Opa habe ich nur gute Erinnerungen. Er starb leider auch schon in meiner frühen Kindheit, da war ich grad 8 Jahre alt. Er war auch in russischer Gefangenschaft, jedoch kenne ich keine Geschichten darüber. Er hat wohl auch nie in der Familie darüber gesprochen, zumindest wussten meine Eltern nichts davon und meine Oma kann ich auch nicht mehr fragen. Letztens habe ich meinem Mann noch von ihm erzählt. Er aß ( sehr zu Omas Leidwesen) für sein Leben gerne Gummibärchen und stellte sie immer in einer Reihe an der Tischkante auf. Eine Tischkante für mich, eine für ihn. Und dann haben wir immer “Tritratrullala” gespielt. Ein Bärchen auf dem Tisch herumhüpfen lassen und dann ab in den Mund. Bis die Tischkante leer war :-) Das sind meine frühesten Erinnerungen an Opa :-)

    Und zu Rio : Ich weiss, dass du die Kraft hast, das alles durchzuziehen, denn schliesslich hast du eine Familie, die zu dir hält !

  5. @Sven: Ich freu mich dass ich noch eingermaßen den Sinn rüberbringen konnte. Es ist nicht gerade einfach solche Geschichten für jemanden wiederzugeben, der nicht selber dabei war.
    @Zaubi: Rio wird das Schaffen, davür hat er Euch!! Und nächstes Jahr feirn wir ne wilde Party!!! Die Story mit den Gummibärchen ist ja mal Klasse, und an solche Dinge erinnert man sich immer wieder!

  6. [...] Generationen im Gespräch – Ich mein Opa und der Krieg, ein Artikel von Andy, der mich wieder erinnert hat, wie wie klein doch eigentlich die “Schwierigkeiten” unseres heutigen Lebens sind. [...]

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