Auf der Suche nach der gewonnenen Zeit
Letze Woche habe ich mir die Zeit genommen ein Buch zu lesen, das dem Titel nach mein Leben erleichtern sollte und damit widerum Zeit einsparen würde – so zunächst jedenfalls mein Gedanke dabei. Von Natur aus ein Zeitschludrian, bin ich immer auf der Suche nach der richtigen Taktik, um das notwendige Übel ganz unüblich in Freude verwandeln zu können (wenn ich soweit bin sage ich bescheid!), um mehr Zeit für die eigentlich interessanten Dinge zu haben. Das klingt erst einmal sehr logisch: Zeit investieren um Zeit zu sparen. Wär auch der eine oder andere BWLer mit einverstanden…
Das Buch, um das es hier geht heißt “Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin” von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Es handelt von der Prokrastination (das Aufschieben von einem selbst unangenehmen Arbeiten) und wie diese überlistet werden kann ohne, dass sich die Betroffenen so fühlen, als seien sie nicht “normal” oder einfach nur “faul”. Denn Prokrastination, das machen die Autoren klar, ist etwas ganz natürliches. Ihrer Meinung nach sind eher Werte wie Disziplin und stetige Arbeitssamkeit kritisch zu bewerten, weil der Mensch dabei jahrelang einer Tätigkeit nachgehen kann, die er völlig stulle findet.
Der Prokrastinationszirkel
Hatte ich also meine Zeit, die ich so wertvoll investiert glaubte, verschwendet? Keineswegs. Zunächst ist das Buch wirklich unterhaltsam. Die Fallbeispiele sind herrlich und der eine oder andere Prokrastinierer mag sich darin wiedererkennen. Außerdem sind Vorschläge zur Optimierung des Aufschiebeverhaltens sehr interessant. Es wird zum Beispiel ein Prokrastinationszirkel besprochen, in welchem man immer einer eigentlich wichtigen Aufgabe ausweicht und nach allen Ausweichmanövern idealerweise wieder am Ausgangspunkt ankommen müsste und die ursprüngliche Arbeit nun als Ausweichmanöver durchführt. Irre!
Meiner Meinung nach sind nicht alle Tipps derart praktikabel. Aber zumindest kann man sich in diesem Buch sein schlechtes Gewissen weglesen und damit entspannter an seine unerledigten Aufgaben herangehen. Außerdem habe ich den Eindruck bekommen, dass meine Arbeitsweise (10 verschiedene Projekte und Ideen am Start zu haben und teilweise um die 15 Bücher gleichzeitig zu lesen) gar nicht so wirr ist wie ich dachte, sondern arbeitsstrategisch seeeehr sinnvoll (Siehe Prokrastinationszirkel).
Wer sich einwenig von dieser positiven Einstellung motivieren lassen möchte (und diesen Blog vielleicht liest, um einer anderen Tätigkeit zu entgehen) kann nachfolgendes Video ansehen und die Beantwortung der Theodizeefrage auf seiner To-Do-Liste abhaken, denn auch der liebe Herrgott hat prokrastiniert…